Sonntag, 21. Jänner 2007

24 h Radrennen Nürburgring

Nach knapp 7 stündiger Fahrt brachte uns Matthias zeitgerecht und sicher zum Nürburgring. Dort bezogen wir in der Boxenstraße der F1 Strecke die die bereits für uns reservierte Box Nr. 10 gleich neben einem Erdinger Bier Verkostungsstand, den mein tolles Betreuerteam Bernhard Felderer (Guggi) und mein Sohn Matthias ab und zu zur Stärkung aufsuchten ;-) Nach der Fahrerbesprechung im großen Presseraum des Media Towers wurden noch die letzten Vorbereitungen getroffen wie Montage der Beleuchtung an Rad und Helm sowie Erneuerung der Bereifung nach dem von meinen Betreuern befunden wurde, daß die Reifen nicht mehr sicher seien. Punkt 19:30 erfolgte dann der Start bei leichten Nieselregen. Einige Fahrer legten so ein Wahnsinnstempo vor, daß man glauben wollte das 24 Stunden Rennen würde in der 1. der 23 km langen Runde entschieden. Ich wollte dieses Tempo auf keinen Fall mitgehen. Der dann folgende Rennverlauf gab mir recht. Dazu aber später. Zuerst ging es auf die Südschleife des Nürburgringes. Besser bekannt als die F1 Strecke. Kurz vor dem Start / Ziel Bereich bogen die Teilnehmer auf die sehr kupierte mit bis zu 18% steilen Rampen sehr anspruchsvolle Runde der Nordstrecke ALIAS "Die Grüne Hölle". Dort hatte unser Niki (Nationale) Lauda damals seinen folgenschweren Unfall! Nach knapp 50 min kam ich aus der 1. Runde zurück. Bald nach Start wurde der Regen immer weniger und bei Temperaturen um 14 ° C war ich mit meiner Regenbekleidung ein bisschen Overdressed und somit klitschnass, nun zwar nicht vom Regen sondern vom Schweiß. Während mir meine Betreuuer das zuviel an Bekleidung vom Leib zu reißen versuchten, lockerten sie die Situation mit der Meldung auf: "So jetzt bist du wenigstens gut aufgewärmt!" Dank mittlerweile aufgetrockneter Strecke und dem nun schon stark aufgelösten Feld der 24h Fahrer (123 Einzelfahrer und 326 Teams) konnte ich erstmals die Abfahrten der Nordschleife genießen. Bei Spitzengeschwindigkeiten von über 90 km/h in der sogenannten Fuchsröhre mit einer anschließenden Kompression und hinaufschießen über eine ca. 16% steile Kuppe. Bald darauf folgen weitere Downhills mit „heißen“ Kurfen, die durchaus ohne zu Bremsen in außergwöhnlichen Schräglagen genommen werden konnten. Eine Achterbahn kann nicht schöner sein. Leider folgt auf jede Abfahrt immer wieder der Gegenanstieg zur sogenannten Hohen Acht. Sie beginnt mit 5-7 % und wird dann immer steiler bis sie ganz oben nach ca 3 km mit 18% endet. Hier mußten bereits in den ersten Runden einige ihr Rad schieben(!). Ich selber habe mir auch gedacht, wie soll es möglich sein diese Rampe nach 22 od. 23 h noch fahrend hinauf zu kommen.

Rundenprofil „Nordschleife“ Nürburgring.



Legende:

Schwarze Linie = Höhenlinie
Rote Linie = Pulsfrequenz
Blaue Linie = Geschwindigkeit



Gott sei Dank habe ich wie sich herausstellen sollte, in der Vorbereitung alles richtig gemacht und erwischte einen wirklichen Traumtag wenigstens was meine Form betraf. Runde um Runde konnte ich schon die Nacht ohne Probleme abspulen. Obligat das Abklatschen bei Start/Ziel mit meinen Betreuern das mir immer zusätzliche Motivation gab. Diesmal gabs auch mit der Verdauung trotz zugeführter 18, 5 Liter Flüssignahrung und Elektrolytgetränke keine Probleme und ich konnte ohne „Boxen-WC-stopps“ durchfahren. Pinkeln wurde „on the Fly“ an günstigen Stellen erledigt. Bei konstanten Rundenzeiten zwischen 52 – 55 min wurden die Kollegen vor mir wohl zunehmend nervös, was für sie in jeweils mehr oder weniger lange Pausen gipfelte. Zunächst nur zur Freude meines Bereuerteams, das mir diese Info zunächst vorenthielt um eine potentielle Übermotivation meinerseits zu verhindern. Ihre Information lautete immer, es wird ein Toppplatz wenn du einfach so weiterfährst. Und so war es auch. Ich fuhr einfach das für mich optimalste Tempo ohne zu überdrehen und konnte mit dieser Strategie meine Rundenzeiten bis zum Schluß auf gleichmäßig hohen Niveau halten.


Der Rennverlauf:
3. Runde noch 31. Platz
6. Runde schon 9. Platz
8. Runde dann 7. Platz
10. Runde 6. Platz
15. Runde 5. Platz
19. Runde 3. Platz (nach mittlerweile 16 Stunden)
20. Runde 2. Platz
26. Runde: Habe den Führenden zurückgerundet und bin in der gleichen Runde wie er, leider schaffe ich es aber nicht mehr vor Zielschluß 18:30 diese Runde zu beenden wie der Führende, der deshalb noch zu einer weitere Runde aufbrechen kann. Für mich war das 24 h Rennen deshalb schon nach 23:09 h vorbei. Die bis dahin gefahrene km: 618.85 (26,7 km/h Schnitt) Überwundenen Höhenmeter: 12000 Sensationeller Weise deutlich vor dem ehemaligen RAAM 4. platzierten Stefan Lau(GER). Abgehängt auch andere schon recht erfolgreiche Langstreckler wie Cosmas Lang(GER), Kurt Peschke(GER), Pedersen Jens Myrup(DEN).

Die Siegerehrung gab es gleich anschießend am Balkon des Mediacenters auf dem auch die Ehrungen der Formel 1 Helden stattfinden. Auf dem Weg dorthin geht man an den Bildern der vergangene Sieger am Nürburgring vorbei: u.a. Lauda, Fitibaldi, Schuhmacher, Regazoni, Hakinnen usw.

Trotz der nun doch nicht mehr zu verbergenden Müdigkeit war die Siegerehrung dort ein toller Moment den ich mir nie und nimmer erträumt hätte.











Hier mit meinem bewährten Betreuerteam "Guggi" und "Hiasi" Bei wunderschöner Abendstimmung wurde dann die Heimfahrt angetreten. Diesmal am Lenkrad „Guggi“ der uns wieder schnell und sicher nach Hause brachte.









Veranstalter Homepage: http://www.rad-am-ring.de/
Ergebnisse: http://results.mikatiming.de/2005/nuerburgring/
Weitere Bilder: http://nuerburg.gasser.ath.cx/